Ich will nicht in die Schule, Mama! Oder doch?

Ich kann mir im Moment nicht vorstellen, dass Noah in die Schule geht. Jetzt werden sich sicher viele denken „spinnt die“! ER MUSS IN DIE SCHULE! Seid ihr euch da sicher? Noah müsste entweder September 2018 oder wenn wir ihn zurück stufen lassen, September 2019 in die Schule gehen.

Alle Kinder freuen sich auf den Tag ihrer Einschulung, weil wir, als Eltern, von nichts anderem reden als von Schule. Es ist so fest verankert in unseren Köpfen, dass es für uns schwer fällt den Gedanken abzuschalten. In Deutschland herrscht Schulpflicht! Dennoch kann ich es mir nicht vorstellen Noah in die Schule zu schicken, zumal er entwicklungsverzögert ist. Meine Gedanken kreisen:„wie soll er sechs Schulstunden still sitzen bleiben – er bleibt ja nicht mal beim Abendessen sitzen?“ „Wie bekommt er den ganzen Schulstoff in sein kleines Köpfchen?“

Jetzt fragt ihr euch bestimmt warum ich so denke, andere Kinder schaffen das ja schließlich auch. Wir müssen hier nun mal zur Schule gehen. Aber ich frage euch! Haben eure Kinder Spaß an der Schule oder ist der Druck den sie eventuell bekommen doch zu groß? Was wäre wenn sie gar nicht in die Schule gehen müssten? Was passiert, wenn wir Kinder einfach mal lassen? Sie spielen! Kinder lernen am leichtesten und besten beim Spielen.

Hört sich schön an, oder?

Spielend lernen sollte so einfach sein!

Die ersten Jahre ihres Lebens spielen Kinder immer und überall. Das liegt in ihrer Natur! Bis zu ihrem ersten Schultag. Jetzt dürfen sie nicht mehr spielen, sondern MÜSSEN lernen, still sitzen bleiben und dem Lehrer, der vorne an der Tafel steht, aufmerksam zuhören! Es gibt noch einige andere Formen des Lernens: Worldschooling – Unschooling  durch längere Recherchen über Worldschooling bin ich auf die Seite von Ka Sundance gestoßen, (Facebook, Youtube) der mit seinen sechs Kindern und seiner Frau seit 20 Jahren um die Welt reist. Keines seiner Kinder hat jemals eine Schule besucht. Sie praktizieren Worldschooling. Das heißt genauer, sie lernen das was sie gerade sehen und sie auch wirklich interessiert.

Es ist doch so, wenn wir wirklich Interesse an etwas haben, lernen wir viel leichter und können es uns auch besser merken. Der Hirnforscher Gerald Hüthler sagt auch

„Wir behandeln unsere Kinder wie Objekte, die man nach Wunsch formen kann“!

In meinen Recherchen habe ich noch den Autor Andre Stern entdeckt. Er schrieb das Buch „…und ich war nie in der Schule“. Er ist Autor, Gitarrenbaumeister und Musiker und das obwohl er nie in der Schule war. Er schildert die von Natur aus bestehende Faszination, welche Kinder an den Tag legen, alles mit Begeisterung lernen zu wollen. Kinder unterscheiden nicht zwischen spielen und lernen, sondern für sie ist spielen lernen.

Ein weiterer Autor (Richard David Precht) ist der Meinung, dass 60-70% der Berufe, die unsere Kinder mal ergreifen, noch gar nicht erfunden sind. Ich denke er hat mit dieser Aussage auf jeden Fall recht. Unsere Welt geht immer mehr auf Online-Business, immer mehr auf Internet. Die wichtigen Dinge fürs Leben werden in der Schule gar nicht gelehrt. Stattdessen werden viele überflüssige Informationen eingetrichtert, die im weiteren Leben nicht mehr gebraucht werden.

Seit wann gibt es eigentlich unser Schulsystem?

Von D. Fuchsberger - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=26941780
Von D. Fuchsberger – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=26941780

Man muss sich mal überlegen, seit wann es unser Schulsystem überhaupt gibt.

Nach Anfängen im 16. Jahrhundert (Herzogtum Pfalz-Zweibrücken 1592, Straßburg 1598) wurde die Allgemeine Schulpflicht im 17. Jahrhundert in Sachsen-Gotha (1642), Braunschweig-Wolfenbüttel (1647) und Württemberg (1649) eingeführt. Im 18. Jahrhundert folgte Preußen (1717), wo es bis 1918 zwar eine Unterrichtspflicht, aber keine Schulpflicht gab.[7] Zuletzt führte Sachsen 1835 die allgemeine Schulpflicht ein, 1919 wurde sie in der Weimarer Verfassung einheitlich für ganz Deutschland festgeschrieben.[8]    Von D. Fuchsberger – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0,

In Österreich, der Schweiz und z. B. in Frankreich gibt es nur noch die Bildungspflicht , jedoch keine Schulanwesenheitspflicht. Es ist schon wirklich erschreckend, dass wir immer noch ein so altes System weiterführen. Unser Schulsystem wurde damals für das Industriezeitalter gemacht und ist nicht mehr zeitgerecht. Es ist einfach veraltet.

Wenn wir unsere Kinder von klein auf beobachten, dann sehen wir dass sie so etwas komplexes wie unsere Muttersprache nur durch zuhören von alleine lernen. Ganz abgesehen vom krabbeln und laufen. Wir wünschen uns, trotz seiner Entwicklungsverzögerung, dass wir ein freies und unbestimmtes Leben führen können. Den Weg des Freilernens!

Wir sind uns durchaus bewusst, dass dieser Weg schwierig sein wird. Wir sind Ansprechpartner für alles für unsere Kinder. Wir sind bereit ihnen passende Mentoren zu suchen, die ihnen mit Begeisterung etwas beibringen möchten, was sie eben lernen wollen. Natürlich sollten Kinder lesen, schreiben und rechnen können und auch lernen. Aber alles andere was in der Schule gelehrt wird, haben die meisten von uns kurz nach der Schulaufgabe auch wieder vergessen. Oder, ist doch so?

Es gibt verschiedene Facebook-Gruppen, die genauso denken, zum Beispiel „Tu was Du liebst“, „unschooling“, bei denen man sich mit Gleichgesinnten austauschen kann. Es ist lohnenswert, da mal hinzuschauen.

Wir freuen uns auf eure Meinungen

noahskleinewelt

Mein Name ist Silvana bin 34 Jahre alt und schreibe diesen Blog für euch. Über unsere Familie, Nachhaltigkeit und werde in Zukunft auch Rezepte posten.

30 thoughts to “Ich will nicht in die Schule, Mama! Oder doch?”

  1. Leider liegt Deutschland bei Themen wie Homeschooling hinter aufgeschlosseneren Ländern noch meilenweit zurück. Dabei beweist doch die Erwachsenenbildung wie große Erfolge auch in den eigenen vier Wänden erzielt werden können. Schlagzeilen wie Burn Out bei Schulkindern sollten nicht nur Eltern, sondern auch Politiker wachrütteln, dass das klassische Schulsystem einfach nicht für alle Kinder wie maßgeschneidert ist.

    1. Danke Sina, für deinen tollen Kommentar. Ich finde auch das Deutschland, was die Schule betrifft wirklich hinten dran ist. Leider. In vielen Ländern ist Homeschooling erlaubt, zwar hast du einen Bildungsnachweiß zu erbringen. Aber es ist nicht so streng wie bei uns. LG

  2. Liebe Silvana,
    …ich habe ab Herbst auch ein Schulkind 🙂 … und ich freue mich ganz und gar nicht auf die Schule weil ich mit unserem veralteten Schulsystem in Österreich gar nichts anfangen kann. Aber was soll`s ich werde mich damit arrangieren und versuchen das Beste daraus zu machen.

    Danke für den schönen und informativen Blogpost!
    Liebe Grüße
    Verena

  3. Was für ein toller und auch mutiger Beitrag! Ich habe selbst (noch) keine Kinder, habe mir aber schon oft gedacht, wenn ich eines hätte, wollte ich ihm dieses fürchterlich veraltete, stressige, harte Schulsystem antun? Ich glaube nicht! Ich würde mich wahrscheinlich für ein alternatives Schulsystem entscheiden. Und wenn möglich, das Kind auch noch ein Jahr später einschulen. Gerade, wenn du sagst, dass Noah eher ein Spätentwickler ist – wäre es wichtig, dass er noch das eine Jahr mehr Schonfrist bekommt. Ich sehe in meinem Freundeskreis, was aus Kindern wurde, die zu früh eingeschult wurden. Sie hatten durch die Bank alle eine eher problematische und schwierige Schulzeit. Schön, dass es Eltern, wie dich gibt, die auch über den Tellerrand schauen und auf die Bedürfnisse ihrer Kinder schauen!

  4. Ein sehr interessanter Beitrag!
    Ich habe mich damals riesig auf die Schule gefreut und auch der Schulwechsel auf die weiterführende Schule war sehr aufregend!
    Die letzten Jahre in der Schule sind natürlich sehr wuselig, es kann zu Meinungsverschiedenheiten mit Lehrern kommen und und und.
    Die Grundschule dagegen ist super entspannt und hat viel Spaß gemacht! 🙂
    Liebe Grüße Sarah<3

    1. Liebe Sarah, ich habe mich damals auch auf die Schule gefreut. Nur das ist schon sehr lange her und die Zeiten haben sich geändert und sind schwerer geworden. Man bekommt ja heutzutage keine guten Job Möglichkeit mehr weil alles nur noch von deinem Abschluss abhängt. Aber es muss auch anders gehen, wir müssen endlich Umdenken!
      Lg
      Silvana

  5. Ich habe keine Kinder und denke deshalb vielleicht anders: Ich bin froh, dass ich in die Schule gehen durfte, obwohl ich in einem Land aufgewachsen bin, wo extrem viele Kinder keinen Zugriff auf Bildung haben und ich hab einfach so oft erlebt, wie das sehr schief geht. Die Kinder dort wünschen sich meist nichts mehr wie die Möglichkeit in die Schule zu gehen, aber die Eltern können es sich nicht leisten. Für das Kind bedeutet dies, dass es schon als Kind einmal schlechte Chancen hat, einmal seine eigene Familie ernähren zu können. Durch diese Erfahrung bin ich froh, dass wir Bildung haben und lernen dürfe. Über manchen Inhalt des Lernens lässt sich allerdings streiten…

    1. Liebe Froilein Couture, mir geht es eher ums anders und auch freier lernen. Deutschland ist ein privilegiertes Land und das wir diese Chance haben hier Bildung zu bekommen ist toll. Nur es kann auch anders gehen und die Schulpflicht zu umgehen.

      Lg
      Silvana

  6. Hallo,

    ein schöner Artikel! Seit ich selbst Kinder habe bedauere ich es manchmal in einem Land zu leben (fast dem einzigen Land weltweit …), in dem es eine Schulpflicht gibt. Es ist sehr schade, hier quasi keine Wahl zu haben.
    Ich kenne aber auch einige Familien, die aufgrund dieses Umstandes nach Frankreich ausgewandert sind.
    Zur Zeit sind meine Kinder noch klein und bei mir zu Hause (kigafreie Selbstbetreuer). Und das genießen wir voll und ganz!

    Euch alles Gute für die Zukunft!

    Liebe Grüße, Lisa

  7. Hallo,
    mein ältester geht nun auch seit September 2016 zur Schule und auch für ihn musste das sein. Wenn es nach ihm gegangen wäre wäre er schon 1 Jahr eher in der Schule gewesen. Er ist ein sehr wissbegieriges Kind. Was sehr viel Content braucht. Das ist schon seit vielen Jahren so. Bis dann auch im Juli 2016 bei ihm festgestellt wurde das er hochbegabt ist. Sein großes Problem am Anfang war aber das er alles sofort perfekt haben musste und somit erst leseschwierigkeiten hatte. Aber nach 2 Monaten war die schwierige Zeit überstanden und seit dem klappt alles super. Für uns war es die richtige Entscheidung ihn in die Schule zuschicken. Obwohl wir öfter gedacht haben ob es nicht hätte doch eine andere sein können.

    LG nadine

    1. Hallo Nadine, es gibt eben solche und solche Kinder. Unser großer hat da ja eher Schwierigkeiten durch seine Entwicklungsverzögerung. Vielleicht kann ichs mir deswegen so schwer vorstellen. Lg Silvana

  8. Hey,
    interessanter Beitrag. Ich wohne mit meiner Familie in Österreich und mein Sohn beginnt im September 2017 mit der Schule. Er wird Ende Juli 6 Jahre alt. Er freut sich auch schon sehr auf die Schulzeit. Aber nicht, weil wir nur davon sprechen, sondern weil er im Kindergarten mittlerweile einfach komplett unterfordert ist und gerne schreiben, lesen und rechnen lernen möchte.
    Er wird in eine ganz normale Schule gehen. Ich persönlich bin mit unserem Schulsystem zufrieden. Klar ist es eine große Umstellung, dass die Kinder plötzlich am Vormittag nicht non-stop spielen können sondern 4-5 Stunden ruhig in der Schule sitzen und zuhören müssen.
    Allerdings müssen sie das später wenn sie im Berufsleben sind auch.. irgendwann muss man diese Dinge nunmal lernen. Ich finde es ist unsere Aufgabe als Eltern, die Kinder nachmittags auszulasten und sinnvoll zu beschäftigen.
    Deswegen ist es meiner Meinung nach auch wichtig, dass man Kinder nicht zu früh einschult. Wenn ihr die Möglichkeit habt euren Sohn später einschulen zu lassen, dann nutzt das. Vor allem wenn er noch nicht wirklich schulreif ist.

    Viele liebe Grüße,
    Julie

  9. Hi vorstellen das mein Löwekind in die Schule geht konnte ich mir auch nicht. Nun bin ich froh. Sie geht seid September 2016 und es tut Ihr richtig gut. Das Soziale und das Lernen. Ich hatte immer amgst vor der Schule, da ich meine Schulzeit nicht sehr schön in erinnerung hatte. Jeder Mensch, jedes Kind ist anderes das musste ich erst lernen. Hör auf dein herz es wird dir den richtigen Weg zeigen. Manchmal muss man seine Kinder auch selbst die Erfarhungen machenlassen. Es wird sich bestimmt noch einiges ändern denn bis 2018 ist ja noch eine Weile.
    Ps. Wenn du magst schau mal auf meinem Blog vorbei dort findest du gnaz frisch einen Artikel über die Schulsuche bei uns.
    Lg Alex von Margreblue

  10. Interessante Ansätze!
    Es gibt ja Untersuchungen der NASA, in denen nachgewiesen wird, dass Kinder am Ende ihrer Schullaufbahn fast ihre ganze Kreativität eingebüßt haben. Das gibt einem schon zu Denken. Wissen, dass man sich nur theoratisch aneignet, ist kein Wissen. Ich würde sogar sagen, dass ich 90 Prozent von dem, was mir in der Schule „beigebracht“ wurde, wieder vergessen habe.
    Conni (www.muttersprach.de)

  11. Mein Bruder hat seinen Sohn (in Budapest) aus der Schule genommen und es war die beste Entscheidung, die sie getroffen haben.

    Habe auch Freunde in Deutschland, die es gemacht haben, man muss nur eine Adresse in Frankreich haben 🙂

    Wünsche Euch eine tolle Zeit 🙂

    Liebe Grüße
    Katalin
    http://www.disawistories.com

  12. Freilernen hört sich nach einem interessanten Ansatz an. Ist in Deutschland aber bestimmt schwierig umzusetzen. Ich wünsche Dir auf jeden Fall eine stressfreie und schöne Schulzeit für Deinen Sohn und Dich.

    Lieben Gruß

    Karola

  13. Interessante Sichtweise! Und ich habe auch schon oft über unser Schulsystem nachgedacht…da gibt es mit Sicherheit Einiges, was man besser machen könnte, um die Lernwilligkeit der Kinder, die intrinsische Motivation nicht zu hemmen…andererseits müssen die Kinder ja auch irgendwie in der Gesellschaft klar kommen…meistens tut man leider den Kindern keinen Gefallen damit, wenn man ein anderes Modell wählt…sie werden dann schnell mal zum Außenseiter…
    Ich denke, man müsste anders ansetzen, in der Gesellschaft müsste einiges anders laufen…schwer, ich weiß!!!
    Und ich kann nur sagen, meine drei Großen haben die Schule, so unterschiedlich sie sind, alle gut gepackt-bis jetzt🙂
    LG
    Natalie

  14. Ich finde immer noch, dass man den sozialen Aspekt von Schule nicht unterschätzen sollte. Zum einen lernen die Kinder dort das Zusammenleben mit Gleichaltrigen, was für das Funkionieren der Gesellschaft essentiell ist. Zum anderen lernen sie aber auch Autoritäten und den Umgang damit kennen. M.m.n. funktioniert das mit den Eltern als Lehrer nicht so gut, da man immer in einer Doppelrolle ist.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.