Warum Noah nicht in den Regelkindergarten geht?

Es war schon länger klar (zumindest für die Kindergarten (Kinderkrippen) – Leitung), dass mit Noah etwas nicht stimmte.

Ich habe es ja schon im ersten Blog (Unser Start) beschrieben, wie es bei uns angefangen hat. Jedoch möchte man dies, in der ersten Zeit nicht wahrhaben, so war es zumindest bei mir.

Um genau zu sein seit November 2013.

Ich als Löwen-Mama, nicht als Sternzeichen gemeint, sondern als die Mama die alles erdenklich Mögliche für Ihren kleinen Sonnenschein in Bewegung setzt, damit er glücklich und wohlbehütet aufwachsen kann, wollte das Ganze nicht wahrhaben. Ich sah einfach nicht die Fakten und sah nur durch die Augen einer alles liebenden Mama. Ich dachte für mich, dass er einfach noch etwas mehr Zeit bräuchte und es schon noch kommen würde. Denn wuchsen wir selber nach einer Norm auf? Wurde vor 30 Jahren nur, weil ein Kind nicht das erste war beim Sprechen, laufen usw. gleich von einer Störung der Entwicklung gesprochen? Das waren meine Gedanken, aber irgendwann kam der Punkt, an dem ich meine Augen nicht mehr verschließen konnten und ich etwas unternehmen musste.

 

Zu dieser Zeit gab es viele Gespräche mit der Leitung und den Erziehern aus seiner Krippe. Es war die Zeit in der die Kinder aus Noahs Jahrgang darauf vorbereitet wurden von der Krippe in den Kindergarten zu wechseln. Nun ja alle Kinder außer Noah. Diese Situation verärgerte und verstörte mich/uns zu gleicher maßen. Die Erzieherinnen versuchten uns das ganze schonend und sachlich beizubringen zu erklären, warum diese Entscheidung getroffen wurde. Uns wurde angeboten, Noah erstmal ein Jahr länger in der Krippe zu lassen, damit man versuchen kann mehr mit ihm, alleine zu arbeiten und ihn behutsam auf den Kindergarten vorzubereiten. Die bedenken seiner Erzieherinnen gingen dahin, dass man Angst hatte, dass Noah, in einer Gruppe von bis zu 25 Kindern in einem offenem Konzept, untergehen würde.

Was ist schon „Normal“?

Für mich war mein kleiner Noah doch immer „normal“. Er war mein erstes Kind. Leider hatte ich einfach keine Vergleichsmöglichkeiten oder Erfahrungswerte von älteren Geschwisterkindern. Als Vergleichsmöglichkeit oder Erfahrungsaustausch hatte ich höchstens die Erzählungen von Mütter und die Kinder aus den Krabbelgruppen. Aber glaubt man diesen Eltern, immer was Sie erzählen? Oder denkt man sich „genau dein Kind ist das beste, klügste, begabteste Kind von allen“, nur, weil wir davon ausgehen, dass die Eltern sich über Ihre Kinder profilieren möchten?

Hierzu möchte ich noch kurz erwähnen, Noah krabbelte und lief nicht später als seine kleinen Freunde. Seine große Hürde sollte die Feinmotorik werden.

Es sollte ein aufwühlendes Jahr mit vielen Gesprächen, positiv wie auch negativ, mit den Erziehern und der Leitung der Krippe werden.

Ich hatte immer die Hoffnung das er sich, innerhalb dieses Jahres, noch weiterentwickeln würde und einen Sprung in seiner Entwicklung macht. Die Hoffnung, das mein kleiner Noah noch die Kurve bekommt und alles seinen gewohnten und bereits eingeschlagenen Weg weitergeht. Diese Hoffnung und das Vertrauen in ihn hatte ich.

Besserung war in Sicht!

Er zeigte auch Verbesserungen, was auch durch die in Anspruch genommene Frühförderung kam.

Meine Meinung, dass er trotzdem in seinen (Regel)Kindergarten gehen soll, zurück zu seinen alten gleichaltrigen Spielfreunden aus der Krippe, war für mich die einzige richtige Lösung. Ich war wirklich der Meinung und der Hoffnung, wie auch mein Mann, er würde das packen und das wird schon.

Nun stand wieder eines dieser vielen Gespräche mit der Leitung der Krippe an. Hier wurde uns dann, nach langem hin und her, nahegelegt, uns vorsorglich nach einem Integrativen/heilpädagogischen Kindergartenplatz zu erkundigen. Die Leitung des Kindergartens hatte große Bedenken, dass Noah den Sprung in die offene Gruppe schaffen würde.

Wir, ich und mein Mann (Johannes), konnten nicht glauben was wir gerade hörten. All unsere Hoffnung wurde mit einem Schlag zerstört. Weiter wurde uns gleichzeitig mitgeteilt, dass wenn Noah nicht die Eingewöhnung von der Krippe in den Kindergarten schaffen sollte, der Betreuungsvertrag mit sofortiger Wirkung GEKÜNDIGT werde.

Und wie geht`s nun weiter?

Da saßen wir nun, nicht wissend wie wir damit umgehen sollen und wie Noahs und unser Weg weitergehen wird. Ich konnte nicht glauben was ich hörte und der erste Schock wich der Wut. Die Wut über die Leitung, von der ich persönlich bis heute nicht viel halte, da Sie nicht nur in meinen Augen nicht über die Kompetenz verfügt eine solche Einrichtung voll umfänglich und harmonisch zu leiten. Welche mein Kind als „anders“ als „nicht normal“ darstellte. Noah habe Wahrnehmungsstörungen sagte man uns. „Er kann sich nicht eingliedern“, “Er läuft vor ein schaukelndes Kind“, „er passe nicht auf wo er hin läuft und schaut nicht nach vorne“, usw. und je mehr Beispiele in diesem Gespräch genannt wurden, desto mehr stellte ich mir die Frage „Haben die Recht?“ „Ist mein Stinker wirklich so viel anders, als die anderen in seinem Alter?“

“Haben wir als Eltern etwas falsch gemacht?“

So, dann blieb mir nichts anderes übrig mich ganz schnell um einen neuen Platz zu kümmern.

Aber natürlich ist das nicht ganz so einfach, dazu gehört das man sich beim Gesundheitsamt meldet und sein Kind untersuchen lassen darf. Es werden mehrere Gespräche geführt und motorische und psychologische Tests gemacht. In denen Noah so ziemlich bei allen durchgefallen ist. Auf der einen Seite gut, weil so sichergestellt war, ja er kann in einen Integrativen/heilpädagogischen Kindergarten wechseln. Auf der anderen Seite für mich persönlich eher komisch, weil es mir dadurch immer bewusster wurde, dass er wirklich entwicklungsverzögert ist und laut Gesundheitsamt ein Jahr zurück ist.

Versteht mich nicht falsch, ABER DIE HOFFNUNG STIRBT ZULETZT. Ich weiß auch, viele Eltern haben Angst davor, wenn es darum geht das ihr Kind, nicht der „Norm entspricht“ und sich anders entwickelt wie seine Spielkameraden. Aber hier geht es nicht um uns Eltern, hier geht es um unsere Kinder!!

Wir haben dann kurz vor den Sommerferien (2015) noch einen Platz in einem Heilpädagogischen Kindergarten von der Lebenshilfe Nürnberg bekommen.

War es der richtige Weg?

Ja! Auf jeden Fall war es der richtige Weg! Ich würde jedem Raten in einen Heilpädagogischen Kindergarten (wenn man die Chance bekommt) zu wechseln. Allein schon aus dem Grund, weil hier alle benötigten Therapien direkt in der Einrichtung stattfinden.

Noah bekommt folgende Therapien:

– Ergotherapie

– Krankengymnastik

– Logopädie

dort direkt im Kindergarten.

Im Nachhinein bin ich froh, dass wir uns dann doch für den Lösungsvorschlag der Krippe entschieden haben. Trotz aller Bedenken wie er den Wechsel, in eine neue Umgebung mit neuen Kindern und Erziehern verkraften wird. Der heilpädagogische Kindergarten ist überhaupt das beste was unserem Noah passieren konnte. Ihm gefällt es seit dem ersten Tag dort. Er möchte selbst am Wochenende und in den Ferien in den Kindergarten.

Eine kleinere Gruppe tut jedem Kind gut. Und in einer kleineren Gruppe haben die Erzieher und Betreuer auch mehr Zeit und bessere Möglichkeiten auf unsere Kinder einzuwirken.

Gleichzeitig haben wir, die Eltern, Entlastung. Da der Kindergarten weiter weg ist, wird er in der Früh abgeholt und nachmittags nach Hause gefahren vom Fahrdienst der Lebenshilfe. Und jetzt raten Sie mal auf was er sich immer am meisten freut, wenn er vom Kindergarten erzählt.

Nach anfänglichen Bedenken, Sorgen und Ängsten wie es unserem großen ergehen wird. Sind wir mittlerweile der festen Überzeugung, dass er hier am besten aufgehoben ist und auch am besten betreut und gefördert wird.

Habt keine Angst davor eure Augen auch in diesem Bereich zu öffnen, nehmt die rosa Brille der Mutterliebe ab. Es ist nur zum besten unserer liebsten!!!

Mir wurde einmal, von einer Freundin, mit sehr guter Menschenkenntnis, welche Noah nur einmal gesehen hat, gesagt.

 

„Noah ist ein ganz besonderer Mensch. Er will uns zeigen, wie wir alle zusammenleben können, und das es auch anders als „normalerweise“ geht.“

Sie hatte recht. Egal ob Regen oder Gewitter, Schneefall oder Frost,

jeden Tag aufs Neue, lässt er für uns die Sonne scheinen.

So ist er halt, unser Noah

 

noahskleinewelt

Mein Name ist Silvana bin 34 Jahre alt und schreibe diesen Blog für euch. Über unsere Familie, Nachhaltigkeit und werde in Zukunft auch Rezepte posten.

8 thoughts to “Warum Noah nicht in den Regelkindergarten geht?”

  1. Hallo an alle,

    für alle die Unterstützung benötigen. Es gibt eine Stelle an die man sich wenden kann:

    Beratungsstelle
    für Kinder
    mit besonderem Förderbedarf
    Allersberger Str. 61
    Nürnberg
    Tel. 0911-468077

    Einfach mal anrufen und einen Termin ausmachen.

    LG
    Judith

  2. Hallo, meine erste Tochter war auch in einem Heilpädagogischen Kindergarten, wir hatten schon bei der Geburt schlimme Komplikationen, danach hat sie sich normal entwickelt, aber nach ein paar Jahren dann der Rückschlag. Der Kindergarten hat ihr sehr gut getan, sie ist jetzt 27, sie kann zwar nicht schreiben (nur einzelne Buchstaben) oder lesen, aber sonst macht sie alles. Ich hatte auch Angst und war noch dazu lange mit ihr allein, habe mir Vorwürfe gemacht, aber keine Mutter ist schuld. Als später ihre Geschwister kamen wuchs sie in ihre Rolle als große Schwester mit viel Freude hinein. Alle drei hängen sehr aneinander, nur dass jetzt die „Kleinen“ die „Große“ beschützen. Ich wünsche euch viel Kraft und Freude mit eurem Sonnenschein. Lg Karin

  3. Hallo ihr, habe mich gerade eingelesen, es ist toll geschrieben! Uns ging es seit Sep.2016 als unser Prinz Leon in den Regelkindi kam auch so! Nach einer woche in der Gruppe, saß schon eine Sozialpädagogin da! Wenn ich deinen blog lese, kommt es mir teilweise so vor als hätte ich ihn geschrieben! Für uns geht es am Montag los, im heilpädagogischen Kindergarten! Ich hab auch Angst und bedenken wie es wird und wie es für ihn ist! Aber ich würde alles dafür tun das ihm geholfen wird “ sein normales Leben“ zuführen!

    Liebe grüße Sabrina

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